|
|
MongoleiEin unfreiwillig ueberlanger Aufenthalt in der Hauptstadt Ulan Baatar plus einer kleinen sechstaegigen LandpartieUlaan Bataar, Mongolei, 31.08.2005 – Indiana JinneyDer Winter ist mir auf den Fersen und mit den Verzögerungen der vergangenen Wochen reicht die Zeit gerade aus, mich zwei Tage in Ulan Bataar umzuschauen, das Kultschnitzel im Khan-Bräu zu essen, mir auf dem berüchtigten Schwarzen Markt mein Handy klauen zu lassen (wir zählen mindestens drei Diebesattacken auf acht Ausländer innerhalb von wenigen Stunden, was ich für keine ganz schlechte Quote halte), rauschend in meinen Geburtstag rein- und wieder rauszufeiern und anschliessend einige Tage mit einem Fieber (ehrlich!) flachzuliegen. Wer will da noch durch das Land reisen? Das erste was wir nach unserer Ankunft machen, ist ein Stop auf ein Schnitzel im Khan-Bräu. Das ist ein Brauhaus nach deutschem Vorbild, auch von einem Deutschen Braumeister vor zwanzig Jahren gegründet, das so verheißungsvolle Sachen wie Schnitzel und Sauerbraten auf der Speisekarte hat. Damit ist es für alle deutschen Fernreisenden der Anlaufpunkt nach harten, entbehrungsreichen Reisen durch das kulinarische Ausland. Mit einem Wort: Kult. Da muss ich durch, ob ich nun gern Schnitzel esse oder nicht. Quasi im Vorüberkauen lerne ich dabei Barbara und Dalbir kennen. Unsere Motorräder kennen sich schon, die konnten sich in der Stajanka in Ulan Ude bereits eine Nacht beschnuppern, als die beiden auf ihrer Blitzreise in 30 Tagen durch Rußland auch dort Station machten. Da auch wir uns recht gut riechen können, verbringen wir einige Abende in verschiedenen Bars, darunter auch in Dave’s Pub, wo sich exzentrische in Ulaan Bataar lebende Ausländer treffen, um seltsame Quizspiele zu spielen. Exzentrisch können wir auch, also schliessen wir uns mit Jinney zur Gruppe „Europe or Bust“ zusammen. Der Sinn des Namens ist uns nicht klar, aber auch egal, denn am Ende heisst es für uns eh „Bust“ – verloren. Immerhin kennen wir nun Jinney. Gekleidet in Indiana Jones-Khaki, mit rollendem schottischen Dialekt und tatsächlich einer Ähnlichkeit mit Sean Connery stellt er sich als Archäologe und Erstausgräber einer sogenannten Virgin Site vor. Das ist eine von Menschen unberührten historische Stätte, unter Archäologen heiss begehrt. Die zu besuchen lädt er uns ein. Es stellt sich später zwar heraus, dass nicht alles so hundertprozentig stimmt, was er uns erzählt, aber die Ausgrabung gibt es wirklich, die Wegbeschreibung stellt sich als korrekt heraus und die Leute vor Ort sind sehr herzlich. Denn natürlich machen wir diese Ausgrabungsstätte jetzt zum Kernpunkt die kleinen Mongolei-Tour, die Barbara, Dalbir und ich für sechs Tage zusammen unternehmen. Damit verabschiede ich mich auch von Katrin und Juni. Die beiden müssen auf den Motor warten, den einbauen und sehen wie sie nach China kommen. Das dauert mindestens bis Mitte September. So lange habe ich nicht mehr Zeit. Ich sage nur: Der Winter. Ulaan Bataar, Mongolei, 31.08.2005 – Der Weg nach Ulaan BataarWährend meiner Reise hatte ich bisher ständig Kontakt zu den anderen Freiburgern, unter anderem Rosa und Tommy gehalten. Die beiden waren recht lang in der Mongolei und gerade auf dem Rueckweg nach Rußland, von daher lag nichts näher, als sich in dem Grenzort auf russischer Seite auf ein Bier zu treffen. Die Aussicht, die Verabredung mit den beiden zu verpassen, gab mir viel der notwendigen Energie für den Auftritt bei dem Paketdienst. Erwartungsgemäß war der Abend mit den beiden sehr nett. Fand Rosas Unterbewußtsein auch und sorgte dafür, dass sie sich sehr schmerzhaft den Fuss verknackste. Weiterfahren erwies sich für sie am nächsten Tag als unmöglich. Wir alle blieben daher noch einen weiteren Tag und hatten noch viel mehr Spaß. Ein weiterer Grund, Rosas Unterbewußtsein dankbar zu sein, besteht für mich darin, dass ihr Fuß mir die Ehre einer Mitfahrt in einem russischen UAS Kleinbus ermöglichte. Die haben etwa die Größe eines VW-Busses aus den 70ern und sind ein Wunder an Geländegaengigkeit und Robustheit. Diese Eigenschaften sind es offenbar auch, die sie als Krankenwagen qualifizieren. Den rief die Rezeptionistin gleich, als sie Rosas Mißgeschick bemerkte. Innerhalb von Minuten war er da und ihn besteigen: Rosa als Betroffene, Tommy als tröstender Lebensgefährte und ich. Wobei sich meine Anwesenheit in dem Bus durch meine Eigenschaft als Hüter des Wörterbuches mit dem Spezialauftrag der Kommunikation erklärt. Es stellt sich aber schnell heraus, dass Rosa sehr gut auszudrücken weiss, ob es da, wo der Arzt drückt, schmerzt. Wir sind uns aber alle schnell einig, dass so ein UAS als Krankenwagen nicht sehr geeignet ist. Die Federung ist sehr hart und als der Wagen die paar hundert Meter über die Schlaglöcher zum Krankenhaus und zurück rumpelt, schreit Rosa mehrfach vor Schmerzen auf. Weh dem, der in Rußland ernsthaft mit dem Ding transportiert werden muss. Ulaan Bataar, Mongolei, 31.08.2005 – Neues vom MotorIn Ulan Ude bleiben wir noch eine frustreiche Woche. Der Tiefpunkt wird erreicht, als Juni eine Literflasche Vodka, die er mit düsteren Vorsätzen in der Garage in seinen Tankrucksack packte, in der Stadt zerbrochen und alle Gegenstände im Tankrucksack inklusive Mobiltelefon und Kamera gut vodkagespült vorfindet.
Nachdem die beiden sich entschieden hatten, den Motor nach Deutschland zur Reparatur zu senden, musste er „nur“ noch ausgebaut, verpackt und der Versand organisiert werden. Die Verpackung übernahmen unsere russischen Bekannten und machten eine wunderschöne maßgeschneiderte Holzkiste. Juni berichtet, dass er kurzerhand beiseitegeschoben wurde, als die Russen das Elend seines Umgangs mit Hammer, Nagel und Holzlatten nicht mehr mit ansehen konnten. Das Ausfindigmachen des Paketdienstes dauert nur einen Tag und nach zwei weiteren Tagen und einem energischen Auftritt mit drei Mann und eine Frau hoch an einem Samstagmorgen in dem winzigen Büro des Paketdienstes mit dem Inhalt, dass das Paket heute und nicht irgendwann, vielleicht versendet wird, darf Juni tatsächlich die Versandkosten in horrender Höhe bezahlen, worauf wir uns umgehend aufmachen Richtung Mongolei. Der Motor kam tatsächlich in Deutschland an. Nach meinem letzten Stand hat vermutlich jemand irgendwo Zucker in den Tank getan. Der Zucker karamellisierte im Zylinder, das Karamell blockierte die Ölpumpe, durch zwei Lager zerstört wurden, unter anderem das Pleuellager mit der Folge eines Kolbenfressers. Zu den anderen älteren Berichten. Seitenanfang |
|