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Arabische HalbinselDrölf schöne Wüstenarten im Winter, angefüllt mit netten LeutenSana'a, Jemen, 20.03.2007 – ScheintotNach sechsstündiger Arbeit an der Elektrik schmeisst Peter das Handtuch. "Das war's. Der Fehler ist nicht zu beheben. Deine Reise ist zu Ende." Ich versuche, das Gehörte einsinken zu lassen. Aber nach minutenlangem Reinhorchen in mich selbst höre ich - nix. So völlig überraschend kommt die Nachricht auch nicht. Wer das technische Logbuch verfolgt hat, dem ist vermutlich schon aufgefallen, dass sich die ernsthafteren technischen Vorfälle deutlich vermehrt haben in den letzten Monaten. Wie Helmut, der Entwicklungshelfer, in Sayun anmerkte, als ich ihm die Leidensgeschichte der Resi schilderte: "Also ich hab bei der Geschichte den Eindruck, dass da oben einer ist, der Dir mitteilen möchte, dass Du jetzt nach Hause fahren solltest." Seit einigen Monaten schwanke ich schon, wie es nach dem Jemen weitergehen soll. Afrika lockt!, Saudi-Arabien eher weniger - das saudische Visa ist nur schwer erhältlich und, wenn man den Reiseforen glauben will, für Motorradfahrer eher gar nicht. Und Resi zickt und zickt. In den letzten Monaten habe ich länger auf Teile gewartet oder gebastelt als ich unterwegs war. Aber wenn ich wieder ein paar Stunden unterwegs war, oder wieder afrikanisch beeinflusste Musik hörte, war sofort klar - natürlich fahr ich weiter, ich fahr bis mein Geld zu Ende ist! Und wenn dann die nächste Panne oder Warterei kam, plante ich schon den direkten Weg nach Hause und malte mir die Freuden des Daheimseins aus: Familie, Freunde, Lesen und Fernsehen schauen, nicht, um Zeit totzuschlagen sondern weil ich gerade jetzt will! Aber so schnell und direkt? Die Organisation der Verschiffung der Leiche wird maximal 10 Tage dauern, der Flug nach Deutschland etwa sechs Stunden. Das ist dann doch etwas zu schnell. Panisch diskutiere ich mit Peter die Alternativen: Von Amman aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Deutschland. Vielleicht sogar mit dem Fahrrad? Habe schon einige Leute getroffen, die zwischendrin die Nase voll hatten von ihrem Reisestil und auf das Fahrrad umgesattelt haben. Die meisten sind begeistert. - Am nächsten Nachmittag, die Hebel für eine Verschiffung von Resis traurigen Resten nach Deutschland sind schon in Bewegung gesetzt, ich warte mal wieder im Hotelraum auf irgendwas, klingelt das Telefon. Komisch, erwarte keinen Anruf. Abgenommen: "arabischarabisch". Klack. Was soll denn das? - Nach einigen Sekunden kommt mir der Gedanke, vorsichtshalber ins Foyer zu schauen. Vielleicht ist jemand für uns da? Es ist. Mit dicker Qatbacke steht ein Mechaniker unten, in der Hand einen passenden Anlasser für die Resi. Seit meiner Ankunft versuche ich über einen gut englisch sprechenden Mittelsmann, einen Vorderreifen für meine Dicke aufzutreiben. Vergeblich. Es gibt kaum grosse Motorräder im Jemen. Aber einen speziellen Anlasser für eine BMW... - das Ding ist schnell eingebaut (billig ist es, ich kann ihn vermutlich in D wieder mit Gewinn vertickern). Der Mechaniker drückt den Anlasserknopf - und der Motor springt an. Ein jemenitisches Wunder. Der Mechaniker lässt übersetzen, was war das andere Problem? Äh, nix. Keine Ahnung, warum es jetzt tut, aber ich frag auch nicht. Klar ist jetzt aber, dass der Weg direkt wieder nach Europa führt. Die Resi ist offensichtlich am Ende ihres nach wirtschaftlichen Massstäben zu vertretenden Lebens. Und auch ich zeige Verschleisserscheinungen, um ehrlich zu sein. Die Länder und Kulturen ziehen teilweise an mir vorbei, ohne grössere Eindrücke zu hinterlassen. Für jemanden, der losgezogen ist, um be-eindruckt zu werden stellt sich dann schon die Frage, ob Weitermachen nicht Geldverschwendung ist. Ausserdem habe ich zunehmend den Eindruck, dass man als Langzeitreisender von A nach B fährt, sich touristische Dinge anschaut - oder auch nicht, die nächste Burg ist nicht weit - und in den meisten Fällen dank Kommunikationsschwierigkeiten intensiver nur mit Gleichgesinnten oder Expats spricht. Kurz: Ich surfe an der Oberfläche von Kulturen, in die ich eigentlich eintauchen wollte - zumindest ein bisschen. Schliesslich finde ich auch dieses Leben zunehmend zu müssig und träge: Ich will wieder was schaffen! Erstmal geht es aber weiter. Ich wollte schon immer die King's Road in Jordanien fahren und Syrien steht auch auf der Liste der Länder, die ich unbedingt nochmal sehen wollte. Kann ich so nach Israel reinreisen, dass ich trotzdem noch nach Syrien reinkomme? Von der Türkei hab ich noch viel zu wenig gesehen. Du grünes Lieschen, das Land ist ja riesig! Aber momentmal, im Sommer war doch irgendwann das Trompetenfestival in Serbien, von dem ich so viel gehört habe... Sana'a, Jemen, 01.03.2007 – Jemenitische MausefalleWegen der ganzen unbequemen Schlagzeilen bei Touristenentfuehrungen hat Jemen ein System von Tourist Permits eingefuehrt: Vor einer Ueberlandreise geht man zur Touristenpolizei, holt sich fuer umsonst seinen Wisch und gibt an jedem folgenden Polizeicheckpoint eine Kopie des Passierscheins ab. So hat die Polizei einen Ueberblick, wo man gegebenenfalls verschwunden ist und kann sich schneller kuemmern. Umgekehrt kann sie ganze Strecken blockieren, indem sie einfach keine Passierscheine ausgibt. Man nimmt den freundlichen Jemeniten aber sofort ab, dass sie keine sinnlose Schikane im Sinn bei Ihrer Verteilung im Sinn haben. Wie ueberhaupt die Jemeniten sich mit den Pakistanis und den Russen um den ersten Platz meiner persoenlichen Warmherzigkeitshitliste dieser Reise pruegeln muessen. Perfekt ist das System nicht. Im Osten sieht man es etwas lockerer mit der Ausgabe. An der omanischen Grenze kann ich nicht mal ein Permit bekommen, obwohl die Strasse durch das Nichts zum Wadi Hadramaut fuehrt und ich weiss, dass ich dort ein Permit brauche. Was zu meiner ersten laengeren Sitzung bei einem jemenitischen Polizeiposten mit Tee und viel Laecheln fuehrt. Die Schwierigkeit besteht darin nicht zu grinsen oder ungeduldig zu werden, sondern schlicht Unverstaendnis zu schauspielern, wenn der lokale Polizeichef immer neue panomimische Moeglichkeiten sucht, um darzustellen, dass man neben dem Pass noch ein anderes Dokument braucht, um weiter zu duerfen. Mit genuegend Geduld wird man am Ende freundlich (wie sonst) weitergewinkt. Jetzt braucht man nur noch das Wissen, dass es genau zwei Hauptstrecken gibt, um vom Osten Jemens in den Westen zu kommen, wenn man geistig mit Peter und mir im Buero der Tourist Police Sana'a steht. Peter und ich werden uns in wenigen Tagen trennen, Peter wird zurueck ueber Oman und Emirate nach Iran fahren, um seinen Weg nach Neuseeland fortzusetzen. Fuer den Weg nach Sana'a haben wir uns fuer die Kuestenstrasse entschieden, entsprechend moechte Peter ueber die noerdliche Route zurueck: "No." speiht der qatkauende Polizist auf Peters Frage an dem Bollen in der Wange vorbei. "Schade, dann muss ich halt ueber Aden fahren." "No." "Nanu? Gibt es denn eine andere Route, die ich nehmen kann?" "No." "Oeh. Aehm. Wie komme ich denn dann zurueck in den Oman?" "Keine Ahnung." "Aber wir sind doch auch mit dem Motorrad hergekommen!?" Intensives Qatgekaue, von mir als "Mir egal" interpretiert. Dann: "Buchen Sie ne Tour. Dann geht es." "No." "Das Motorrad auf den Bus packen?" "No." (Und so weiter.) Aus meiner Sicht ein klares Patt mit leichten Vorteilen auf Seiten der Touripolizei. Auf der anderen Seite wird Peter wohl versuchen, die Inperfektheit des Systems und die Freundlichkeit der Jemeniten (auch der in Uniform)zu nutzen um zu versuchen, ohne Permit zurueckzukommen, wenn alle Stricke reissen. Wer genauso gespannt ist wie ich, wie Peter sich der Mausefalle Sana'a entziehen wird, sollte in den naechsten Wochen unbedingt Peters Geschichte verfolgen. Aden, Jemen, 17.02.2007 – Wie verhextDie mehr als tausend Kilometer von dem Wadi Hadramaut nach fahre ich mit 60 Sachen pro Stunde Hoechstgeschwindigkeit, bergauf wesentlich langsamer. Resi faehrt gar nicht sondern steht auf der Ladeflaeche des Lkws, den ich fuer die Fahrt nach Aden gemietet habe und in dessen Front ich sitze. Der Lkw ist uebrigens so alt wie ich, also ganz schoen alt. Mahmood, der Fahrer, ist auch so alt wie ich, also ziemlich jung. Er spricht kein Wort Englisch. Gelegenheit, mir die letzten Tage noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen: Nach drei klasse Wochen im Oman wartete ich noch zehn nicht ganz so klasse Tage unvorhergesehen auf Ersatzteile, um danach wieder Peter einzuholen, der mittlerweile im Wadi Hadramaut auf mich wartet. Wieder vereint, machen wir noch eine Tagestour - mit vorzeitigem Ende. Es knallt, der erste echte Unfall meiner Reise. Mir und der Familie in dem Wagen passiert nix, aber die Resi muss wieder geflickt werden. Peter, der sich dankenswerter Weise schon sehr viel um die Resi gekuemmert hat und Kaltmetall sorgen dafuer, dass wir schon am naechsten Tag um drei Uhr nachmittags eigentlich wieder abfahrbereit waeren. Hm. Erst drei Uhr? Da koennte ich glatt heute noch den Ersatzreifen wechseln lassen, der alte wird es kaum nach Aden schaffen. Also Reifen ausgebaut und mit Hilfe unseres neuen Bekannten, des Entwicklungshelfers Helmut, auf zum naechsten Reifenworkshop. Der hat sogar ne Maschine, fuer die mein 21 Zoll Vorderreifen aber selbstverstaendlich zu gross ist. Aber erst mal reisst beim Ausbauen des alten Schlauch sowieso dessen Ventil ab. Macht nix, nach 70000 km darf man das schon mal. Und wozu hat man einen Ersatzschlauch dabei? Einen verbogenen Satz normaler Reifenheber, einen verbogenen Satz Lkw-Reifenheber und zweieinhalb Stunden spaeter ist der neue Reifen auch schon auf der Felge. Nun muessen nur noch die Reifenseitenwaende per Aufblasen aus dem Felgenbett gepoppt werden. Etwas Druckluft, und "popp!" - haengt der Schlauch wie ne ueberdicke Wurst neben der Felge. Die Reifenseiten sind etwas ungeplant gleich ganz von der Felge gepoppt. Komisch. Neuer Versuch und "popp!" - "Nicht schon wie..." denke ich noch, als sich zeigt, wie vielfaeltig Motorradtechnik sein kann: BOUMMMMMM platzt mein einziger Ersatzschlauch. Achja, mein Ersatzreifen ist uebrigens auch zerstoert. Fassen wir zusammen: Ich bin jeweils etwa tausend Kilometer von den naechsten groesseren Staedten Richtung Osten und Westen entfernt. Das sind NICHT gleichzeitig die Staedte, in denen es die naechsten Motorradreifen gibt. Und mein Vorderreifen wird vermutlich nicht mal die Distanz zu einer dieser Staedte schaffen. ... Gluecklicher Weise kennt Helmut jemanden, der bestimmt auch einen Lkw-Fahrer kennt. Mahmood pruegelt seinen Isuzu mit den bandscheibenschaedigenden Blattfedern ueber den naechsten halbmeterhohen Speedbump. Aden kommt unausweichlich naeher. Langsam, aber unausweichlich. Salalah, Oman, 20.01.2007 – SchildkrötenjagdSchon kurz nach der Grenze blühte die Overlanderromantik wieder auf. Wir nehmen die kleinen, unbefestigten Pisten durch das Hajargebirge, immer grobe Richtung Ziel, wird schon passen. Gecampt wird, wo gerade der Tag zu Ende geht. Schöne Plätzchen zum Übernachten gibt es zu Hauf. Auf Reifenjagd lerne ich Klaus Demel kennen, der viel mit dem Mopped gereist ist und jetzt Moppedfahren im Oman zu seinem Thema gemacht hat. Trotzdem er mittlerweile aus dem Hobby seinen Beruf gemacht hat, hilft er mir ohne Aufhebens weiter, stellt mir sein Auto und seine Ortskenntnis zur Verfügung und teilt am Ende sogar mit uns sein Kapital, seine GPS-Daten. So können wir uns weiter auf schön staubigen Nebenstrecken zu unserem Zwischenziel fahren, einem Strand, an dem Grüne Schildkröten noch Ihre Eier ablegen. Der omanische Staat schützt die Viecher mittlerweile und lässt Touristen in Begleitung eines Führers ganz nah ran. Wild verstaubt kommen wir an dem einsamen Plätzchen an, sind die einzigen Gäste hinter dem Zaun. Der Pförtner kündigt uns gleich an, dass er um halb zehn vorbeikommen und uns zu den Schildkröten führen wird. Uff, so spät? In den letzten Tagen hat sich eine Bettgehzeit zwischen acht und halb neun eingespielt. Egal – viel Zeit, unsere Häringe in den betonharten Boden zu rammen und uns zu ärgern, dass der frische Wind fröhlich mit unseren Zeltplanen spielt. Eine australisch-singapurlesische Familie aus Abu Dhabi, die sich ebenfalls an der Küste entlangcampt und der wir schon am Vortag begegnet sind, kommt auch noch an. Sohnemann kriegt eine Platzrunde auf der Resi, wir eine Einladung zu Lagerfeuer und echtem Kaffee, mit dem wir uns in Krötenjagdstimmung bringen, während wir auf den Pförtner warten. 9:20 Uhr. Ein weiteres Auto kommt auf den Platz gefahren, steuert allerdings direkt auf den Strand zu. 9:25 Uhr. Etwa fünfzehn strahlend weisser Geländewagen mit aufgeblendeten Zusatzscheinwerfern sind mit hoher Geschwindigkeit direkt an den Strand gerast. Tourgruppen. Einzelne sind dicht an unseren Zelten vorbei zum Toilettenhäuschen gefahren, und erleichtern sich dort ihrer Kunden. Staub setzt sich auf die Zelte. 9:40 Uhr. Ein Pickup kommt vom Pförtnerhäuschen in Richtung unserer Zelte geschossen. Warum wir noch nicht am Strand seien. „Diese Richtung“ wird gewunken. Wir trotten schuldbewusst los; wer seine Termine so verpennt, kriegt natürlich auch keine Mitfahrgelegenheit auf dem Pickup. Am Sammelplatz angekommen, haben die anderen Schildkrötenwatcher sich schon in Bewegung gesetzt. Wir eilen hinterher. Am Strand wird noch mal halt gemacht und – den strengen Blicken in unsere Richtung entnehme ich: noch einmal – die Regeln erklärt: Keine Gespräche, keine Taschenlampen, keine Blitzlichter, nur dorthin gehen, wohin uns die Führer winken und nur in Kleingruppen zu je 10 Personen. Neu ankommende Schildkröten dürfen nicht verschreckt werden (bereits eilegende lassen sich nicht stören). Vielleicht kurz vor 10 (hab ja kein Licht, um nach der Zeit zu schauen). Ein schreiendes Balg wird nebst Mutter des Strandes in Richtung wartender Autos verwiesen. Sehr schön. Arme Schildkröten. Von mir mal gar nicht zu reden. - Die ersten zehn Personen werden zur gefundenen Schildkröte geführt, deren Hinterteil von der Taschenlampe des Führers beleuchtet wird. Etwas später. Nicht alle Mitglieder der ersten zwei Gruppen kommen von der Schildkröte zurück. Der Ring um sie wird dichter. Bei den wartenden Gästen bricht mittlerweile Langeweile aus; erste gemurmelte Gespräche flammen auf, lauter werdend – man muss ja die anderen Gespräche übertönen. Gesprächsthema ist hauptsächlich, wie schön die floureszierenden Wellenkämme sind. Zwischendurch brüllen unsere Führer „the next ten please!!“ von der etwa fünfzehn Meter entfernten Schildkröte herüber. Mehrere Taschenlampenkegel sind sichtbar, erste Blitze hab ich auch schon gesehen. Als ich bei der Schildkröte ankomme, kann ich die Grösse des Tieres sehr schön an dem Ring der Handydisplays abschätzen, die die in der Front kniehenden Besucher in der Hand halten. Handykameras, nehme ich an, bestätigt durch die regelmässigen Blitze. Ich selbst kann immerhin einen Platz hinter der ersten stehenden Reihe ergattern. Bin schon etwas enttäuscht: Die Schildkröten grunzen nicht. In einer Fernsehdoku zu Haus haben die Schildkröten bei der Eiablage vor Anstrengung gegrunzt. Eine Erörterung des Problems mit deutschen Teilnehmern einer Tour führt zu keinem Ergebnis; ebenso wenig der Versuch, das Problem an die kundigen einheimischen Führer zu kommunizieren. Ich schrecke vor einer schauspielerischen Einlage zurück und lasse das Problem auf sich beruhen. Schildkrötenexperten der ersten Minuten gehen mittlerweile selbst auf Stranderkundung. Einige der Führer eilen hinterher, sammeln die Experten auf und gehen als Gruppe mit ihnen suchen; sie werden am anderen Ende des Strandes fündig. Vergleiche und Verhaltensbeobachtungen werden jetzt zwischen den Schildkrötenfundorten hin- und hergebrüllt. Die einheimischen Führer bei dem zweiten Tier geben Lockrufe in Richtung derjenigen Ihrer Schützlinge ab, die sich noch bei der ersten Schildkröte oder sonst irgendwo am Strand befinden. Noch etwas später. Auf dem Weg zur zweiten Schildkröte stolpere ich in ein britisches Päärchen, die sich noch an das Lichtverbot halten. Er ist offenbar gehbehindert; seine Krücken sinken etwa zur Hälfte in den weichen Sand. Besonderes Problem ist für ihn, die älteren Eiablagetrichter zu durchqueren. Frage mich, wie viele Schildkrötenbabies im Laufe des Abends von den Krücken aufgespiesst wurden. Kurzer Gang mit den anderen zurück zur ersten Schildkröte: Sie legt immer noch Eier. Brav. Weiter so. 10:25 Uhr. Schliesse mich meinen neuen Bekannten der deutschen Reisegruppe auf dem Weg zu den Autos an. Alle sind so begeistert wie ich. Ein wunderbares Naturereignis. Meine Bekannten schwärmen lauthals über das Wunder der Natur im Allgemeinen und das Wunder der Fortpflanzung im Besonderen. Hätten sie noch nie erlebt. (Ja, waren die denn nicht bei der Geburt ihrer Kinder dabei?) 10:35 Uhr. Als ich bei dem Lagerfeuer ankomme, sind die Autos schon wieder verschwunden, alles ist wieder ruhig. Bin angesichts der sehr späten Stunde sehr müde, verjage noch kurz den sich ständig kratzenden, wohl verflohten Hund des Pförtners, der es sich in meiner Motorradjacke bequem gemacht hat und verschwinde in meinem Schlafsack. Muscat, Oman, 20.01.2007 – To BashKurze Zwischenmeldung: "To bash" heisst pruegeln. Und in den letzten Wochen passe ich mich dem Lebensrhythmus des Westens wieder an und schlage mich mit den ganzen Ereignissen herum, die auf mich einprasseln. Keine Zeit, keine Zeit, schon gar nicht fuer's Internet. Nach mehr als vier Wochen in den Emiraten haben wir uns so schon ganz dem Expatleben in Sharjah angepasst. Waehrend Stephan, unser Gastgeber sich schon morgens kurz nach sechs durch den Verkehr pruegelt, legen wir etwas spaeter los, um aber auch volle Arbeitstage zu haben: Arbeiten am Motorrad, Organisation diverser Dinge und Auffrischung der Vorraete. Immer im Stau. Vier Wochen sind kurz. Und dann - Wochenende. Da packt die Haelfte der Expats Zelt und Crossbike bzw. Gelaendewagen ein und zieht in die Sandduenen nicht weit von den Staedten. Dunebashing heisst das ganze: Sandduenen rauf und wieder runter, um dann abends irgendwo in einer windstilleren Senke die fleischgefuellten Kuelboxen (nein, kein Bier - oder nur selten...) und das mitgebrachte Feuerholz auszuladen und Lagerfeuerromantik in der Stille zu geniessen. Sehr schoen, koennte laenger bleiben. Das Alternativprogramm heisst Wadibashing. Mit dem Motorrad oder dem Gelaendewagen durch sehr farbenfrohe Felstaeler fahren, um am Abend an einer netten Stelle Coolbox und Feuerholz ... - man kann sich echt dran gewoehnen. Seit ein paar Tagen bashen Peter und ich allein weiter, sind in den Oman gefahren und duesen ein Wadi nach dem anderen rauf und runter, um dann abends - haben halt nicht die Ladekapazitaet von Gelaendewagen - Gaskocher und Nescafe auszupacken.
Reiner, schoener Motorradurlaub mit hohem Spassfaktor. Wenn nur unsere Moppeds nicht ganz so schwer beladen waeren... Mit den Omanis haben wir dafuer noch keinen groesseren Kontakt und Sehenswuerdigkeiten - ja, doch, vor unserem Aufenthalt hier in Muskat haben wir uns einen Morgen doch zwei Stunden Zeit fuer eine Burg genommen... Sharjah, Vereinigte Arabische Emirate, 12.12.2006 – Siebzig-ZwanzigfuffzigHat verbleites Benzin einen besonderen Geruch? Muss wohl, denn der besondere Geruch ist das erste, was mir nach dem Grenzuebertritt beim Fahren im Iran auffaellt. Perverser Weise verbinde ich mit dem Geruch Kindheitserinnerungen. Bilder steigen auf. Auch optisch erinnert Iran stark an Deutschland Ende der Siebziger. Die Strassen werden dominiert von Payan und Kurzhaubern, und die Mode der Maenner besteht aus eng anliegenden Klamotten, spitz zulaufenden Schuhen und original Siebziger-Jahre-Haarschnitten - die der Frauen ist ja eh bekannt. Eine bei maessigem Seegang schon schwer rollende, in Japan 1991 von Mitsubishi gebaute Faehre bringt uns - ich bin seit Shiraz wieder in Begleitung - direkt ins naechste Jahrhundert. Ich brauche in keinen Reisefuehrer zu schauen, um zu sehen, WIE reich die Emirate sind. Blitzende Hochhaeuser in futuristischem Design mit blau getoentenFensternscheiben und noch mehr hohe Baustellen mit kroendenen Kraenen. Die Wohnung meines Gastgebers liegt im 14. Stock; er geniesst einen Millionen-Dollar-Blick auf den Persischen Golf. Ausserdem gibt es wie in jedem Industriestaat Verkehrsstaus. Hier uebertrumpft man alle und serviert sie zu jeder Tageszeit, immerhin mit teuren Autos. Dubai und die umliegenden Stadte sind klar autofreundlich gebaut. Zum naechsten Motorradhaendler sind es 30 km - wir schaffen es in einer Stunde, zehn Minuten, weil wir uns zwischen den Fahrbahnen hindurchschlaengeln. Machen ausser uns nur die Pizzaboys - Motorradfahren ist nur im Winter angenehm, bei weit ueber 40 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit im Sommer. Eine fuer uns ueberraschende Verbindung der Laender ergibt sich durch den Regen - nirgendwo in den Wuestenstaaten gibt es Kanalisation. Lohnt sich vermutlich nicht. Aber da es nun mal recht viel regnet in den letzten Tagen heisst das fuer uns: Mit schlammig-glitschigem Wasser Ueberflutete Strassen. Seitenanfang |
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